Verkehrsrechtsschutz im Test

Die Stiftung Warentest hat den Anbietern für einen Verkehrsrechtsschutz ein positives Zeugnis ausgestellt. Die in der Finanztest Ausgabe 07/2012 getesteten Tarife bieten einen weitaus höheren Versicherungsschutz als gemeinhin angenommen. Zum Leistungsumfang gehören unter anderem auch Rechtsstreitigkeiten beim Autokauf. Zudem sind auch Fußgänger und Radfahrer durch den Verkehrsrechtsschutz abgesichert. Günstige Policen gibt es auch ohne Selbstbehalt bei einem der Testsieger schon für weniger als 100 Euro pro Jahr.

Was die Versicherung zahlt

Der Verkehrsrechtsschutz schützt vor dem finanziellen Risiko eines Rechtsstreits. Wer vor Gericht recht bekommt, erhält seine Kosten vom Prozessgegner ersetzt. Andernfalls müssen sowohl die eigenen Aufwendungen wie auch der Gegenseite übernommen werden, was schnell mehrere Tausend Euro kosten kann. Da nur in den allerseltensten Fällen einem Prozessbeteiligten die gesamte Schuld zugesprochen wird, kommt es in der Regel zu einer Aufteilung der Verfahrenskosten. Das bedeutet, dass ohne Rechtsschutzversicherung immer ein Teil der Gebühren für Gericht, Gutachter und Anwälte selbst übernommen werden müssen. Die Rechtsschutzversicherung kommt jedoch nicht nur für alle Kosten vor Gericht auf, sondern übernimmt auch außergerichtliche Aufwendungen wie beispielsweise den Schriftverkehr des Anwalts mit der Versicherung.

Die Testsieger bei Stiftung Warentest

Insgesamt hat Finanztest 90 Tarife von 31 Versicherern unter die Lupe genommen. Hiervon wurden 29 Angebote als empfehlenswert eingestuft. Dabei wurden die Leistungen und Prämien in vier unterschiedlichen Kategorien getestet und miteinander verglichen. Berücksichtigt wurden beim Vergleich sowohl Angebote für Familien mit einem oder mehreren Fahrzeugen wie auch für Singles und Verkehrsteilnehmer ohne eigenes Fahrzeug.

Verkehrsrechtsschutz für Familien mit mehreren Fahrzeugen

  • ADAC
  • Alte Leipziger
  • ARAG
  • Auxilia
  • BGV Badische
  • Concordia
  • Deurag
  • HDI Gerling mit Rundum sorglos
  • Örag
  • Roland
  • VCD / Deurag

Verkehrsrechtsschutz für Familien mit einem Fahrzeug:

  • ADAC
  • Alte Leipziger
  • Arag
  • Auxilia
  • Deurag
  • HDI-Gerling mit Rundum sorglos
  • VCD / Deurag

Verkehrsrechtschutz für Singles:

  • ADAC
  • Alte Leipziger
  • Arag
  • Auxilia
  • BGV Badische
  • Concordia
  • Örag
  • Roland
  • VCD / Deurag

Verkehrsrechtschutz ohne eigenes Fahrzeug:

  • ADAC
  • ARAG

Umfassende Leistungen bei den Testsiegern

Die von der Stiftung Warentest als empfehlenswert eingestuften Angebote bieten unter anderem die folgenden Leistungen:

  • Versicherungsschutz für Kauf-, Miet- und Leasingverträge
  • Rechtsschutz auch bei ausländischem Gerichtsstand
  • Verwaltungsrechtschutz beispielsweise bei einem Rechtsstreit wegen entzogener Fahrerlaubnis
  • Telefonische Rechtsberatung
  • Alle Rechtsstreitigkeiten sind ohne Wartezeit versichert

Weitere Kriterien für den Test

Bei den Familientarifen sind neben dem Versicherungsnehmer und seinem Ehe- bzw. Lebenspartner auch volljährige Kinder mitversichert, sofern diese noch nicht berufstätig oder verheiratet sind bzw. in einer Lebenspartnerschaft leben. Für die im selben Haushalt lebenden und nicht mehr berufstätigen Eltern gilt der Versicherungsschutz ebenfalls.

Bei einigen der Testsieger ist ein Sozialrechtsschutz bereits inklusive. Dieser übernimmt die Kosten bei einem Rechtsstreit mit dem Sozialversicherungsträger beispielsweise nach einem Wegeunfall. Die Alte Leipziger und Auxilia übernehmen dabei bereits die Kosten eines Widerspruchs. Einige Versicherer übernehmen zudem auch die Kosten wenn der Versicherte als Nebenkläger auftritt. Hierzu gehört neben der Alte Leipziger auch die BGV Badische.

Dazu hat die Stiftung Warentest geprüft, inwieweit die Versicherer auf den Selbstbehalt verzichtet, wenn sich der Fall bereits nach einer Erstberatung erledigt hat. Dieser Service wird von den meisten Assekuranzen angeboten.

Rechtsschutz – auch ohne Auto

Ein Fahrer-Rechtschutz gilt unabhängig davon ob der Versicherungsnehmer im eigenen oder einem fremden Fahrzeug unterwegs ist. Dazu sind auch Radfahrer, Fußgänger sowie Benutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Police geschützt. Allerdings schließen die meisten Versicherer das Vertrags- und Sachenrecht beim Fahrer-Rechtsschutz aus. Dies ist von Nachteil, wenn der Versicherungsnehmer ein Auto mietet oder Angebote für Car-Sharing nutzt. Von den empfohlenen Versicherern bietet ist das Vertrags- und Sachenrecht nur beim ADAC und der ARAG auch beim Fahrer-Rechtsschutz enthalten.

Wann greift der Versicherungsschutz?

Wie bei allen Rechtsgebieten gibt es auch im Verkehrsrecht zahlreiche Sonderfälle. Deshalb lässt sich nicht immer eindeutig abgrenzen, in welchen Fällen der Verkehrsrechtschutz und wann die Kfz-Versicherung aufkommen muss. Folgende Bereiche werden durch die Rechtsschutzversicherung in jedem Fall abgedeckt:

  • Schadensersatzansprüche nach einem Verkehrsunfall
  • Strafverfahren und Ordnungswidrigkeiten
  • Verfahren zu Bußgeldbescheiden
  • Rechtsstreitigkeiten um die Steuern
Geht es um das Abwehren von unberechtigten Ansprüchen, so wird dies durch die Kfz-Haftpflicht erledigt.

Neben dem Straßenverkehr kann es noch in vielen anderen Bereichen zu einem Rechtsstreit kommen. Um sich auch hier vor möglichen Kosten zu schützen bieten sich noch weitere Bausteine wie ein Privat-, Arbeits- oder Mietrechtsschutz an.

Mediation – Alternative zur Gerichtsverhandlung

Bei einer Mediation wird versucht, die Streitigkeit durch einen außergerichtlichen Vergleich beizulegen. Dies geschieht mit Hilfe eines neutralen Mediators. Im Vergleich zu einer gerichtlichen Entscheidung ist dies zumeist deutlich günstiger. Die Alte Leipziger beteiligt sich anteilig an den Kosten für eine Mediation, wobei der Versicherte den Mediator frei wählen kann. Bei den anderen Anbietern wird dieser durch die Versicherung vermittelt.

Stiftung Warentest empfiehlt Tarife ohne Selbstbeteiligung

Versicherte sollten beim Verkehrsrechtsschutz nach Möglichkeit auf die Vereinbarung eines Selbstbehalts verzichten. Die durchschnittlichen Einsparungen betragen lediglich rund 20 Euro pro Jahr, sodass sich eine Selbstbeteiligung kaum positiv bemerkbar macht.

Fazit

Die Gefahr eines Rechtsstreits ist im Straßenverkehr besonders hoch. Deshalb ist eine Rechtsschutzversicherung für diesen Bereich besonders zu empfehlen. Dies gilt nicht nur für Autofahrer, sondern auch für Fußgänger Radfahrer und Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln. Gute Tarife mit einem umfassenden Leistungsschutz gibt es bei verschiedenen Anbietern bereits für weniger als 120 Euro pro Jahr.